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In memoriam Igor Kišš (1932-2018)

Aus Bratislava erreicht uns die traurige Nachricht, dass der emeritierte Professor für Systematische Theologie Dr.h.c. ThDr. Igor Kišš am Montag 15. Jänner 2018 verstorben ist. Bis zuletzt mit wissenschaftlichen Arbeiten befasst hat ihn zuletzt sein Herz im Stich gelassen und zu schlagen aufgehört. Im vergangenen Jahr hat er für eine Kirchenzeitung regelmäßig Beiträge zum Reformationsjubiläum geschrieben und versucht, die Theologie Luthers allgemein und populär darzustellen. Als Lutherforscher war er über die Grenzen seines Landes bekannt, zur lutherischen Zwei-Reiche-Lehre entwickelte er ein Diagramm, das als erhellend empfunden und in den einschlägigen Artikeln in der TRE und RGG zitiert wurde, worüber er sich sehr freute.

Die Freude und der Humor waren ständige Begleiter auf seinem Lebensweg, der ihn vom Schulhaus in Uhrovec, wo Ljudevít Stúr und Alexander Dubcek vor ihm aufgewachsen sind, über Trenčin 1950 nach Bratislava zum Studium der evangelischen Theologie führte. Er wurde infolge des politischen Drucks für die Dauer von zwei Jahren vom Studium ausgeschlossen, konnte es aber 1956 abschließen. Als Pfarrer wirkte er an verschiedenen Orten in der Slowakei, 1975 wurde er promoviert, 1980 zum Dozenten ernannt, aber 1987 zum zweiten Mal von der Fakultät ausgeschlossen und mit Publikationsverbot belegt. 1991 kehrte er als Dozent wieder zurück, wirkte beim Aufbau des Religionsunterrichts und der bilingualen evangelischen Gymnasien in Bratislava, Tisovec, Banská Bystrica und Košice sowie 1994/95 bei der Gründung einer Militärseelsorge in der slowakischen Armee mit. Als Mitglied des Verteidigungsministeriums besuchte er das Pentagon in den USA und verschiedene Militärbasen der amerikanischen Armee in Amerika und Deutschland. 1997 wurde er zum Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät der Comenius-Universität ernannt und übernahm in der Folge auch das Dekanat 1997-2003. Als Dekan hat er sich für die Übersiedlung und Beheimatung des Instituts für Kirchengeschichte des Donau- und Karpatenraumes an seiner Fakultät eingesetzt.

An der Arbeit des Südostmitteleuropäischen Fakultätentages (SOMEF) nahm er von Beginn an lebhaften Anteil. Auf seine Initiative fanden in Bratislava regelmäßig Kolloquien für den wissenschaftlichen Nachwuchs statt, wo Diplomanden und Dissertanden die Möglichkeit gegeben wurde, über ihr jeweiliges Forschungsthema zu berichten und sich darüber auszutauschen. Das hat ihn unter den Studierenden sehr beliebt gemacht, wie er ja auch von den Kollegen im In- und Ausland sehr geschätzt wurde. Zum 70. Geburtstag wurde ihm eine Festschrift gewidmet, die die Freude an der Theologie thematisiert. 21 Beiträge variieren darin das Thema in großer Vielfalt. Setzte auch seiner Lehrtätigkeit die Altersgrenze ein Ende, so blieb er als Referent und als Opponent bei akademischen Prüfungen, Rigorosen, Akkreditierungen bis 2017 aktiv.

An besonderen Auszeichnungen, die ihm zuteil wurden, seien hier erwähnt: das Ehrendoktorat der Matej-Bel-Universität in Banská Bystrica (2013) und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2004), dessen Rosette er stets trug, wann immer ich ihm begegnet bin.

Nun hat ihn Gott heimgeholt und wir wünschen dem teuren Verstorbenen, dass er nun endlich im Himmel das Gespräch mit jenen von ihm so geschätzten Personen führen kann, um deren theologische Einordnung auf Erden sein besonderes Anliegen war: Martin Luther, Konrad Cordatus, Jan Amos Comenius, Paul Tillich, aber auch Kyrill und Method und Teilhard de Chardin. - R.i.p.

Karl W. Schwarz

SOMEF - Südostmitteleuropäischer Fakultätentag
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