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In memoriam Prof. Dušan Ondrejovič (1930-2022) - Nachruf von Karl W. Schwarz

Aus Senec erreicht uns die Nachricht, dass der langjährige Professor für Religionistik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava Prof. ThDr. Dušan Ondrejovič 92jährig verstorben ist. Mit ihm ist der letzte Vertreter einer Professorengeneration von uns gegangen, die neben ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität mit der Geschäftsführung eines Pfarramtes beauftragt war. Seine Beziehungen zu Wien waren sehr herzlich, insbesondere zum Theologenheim in der Blumengasse. Dort war er als erster Student aus der Slowakei einquartiert, als er das Studienjahr 1957/58 in Wien zubrachte.

25 Jahre später nahm er im neuen Theologenheim an Herder-Gesprächen teil, die unser gemeinsamer Freund, der damalige Studieninspektor Pfarrer Ernst Hofhansl organisierte und im Dezember 1983 Teilnehmer aus Thüringen, der Slowakei und Österreich zusammenführte. Diese Konferenz im Zeichen des Weimarer Generalsuperintendenten Johann Gottfried Herder war sogar imstande, den Eisernen Vorhang ein Stück weit zu öffnen und das Wiener Theologenheim in einen Knotenpunkt im „Wegenetz europäischen Geistes“ zu verwandeln. Ich habe noch vor Augen, wie sehr sich Dušan Ondrejovič über dieses Wiedersehen freute, aber auch über das Thema, denn der Theologe und Philosoph Herder spielte in der Geschichte  des slowakischen Luthertums eine bedeutende Rolle. Diesem Einfluss ist Ondrejovič  in einigen seiner Publikationen nachgegangen und davon hat er auch berichtet: über die Bedeutung Herders und der Salana-Universität in Jena für die lutherischen Slowaken. Für den Konfirmandenunterricht hat Herder eine ausführliche Auslegung von Luthers Kleinem Katechismus geschrieben, die am Beginn des 19. Jahrhunderts ins Slowakische übersetzt wurde.

Ich verdanke Professor Ondrejovič, dass ich durch seinen Vortrag angeregt zu Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit gegriffen habe und sein Slawenkapitel durchgelesen habe. Erst der Freund aus Bratislava hat mir die Augen geöffnet für die Schönheit dieser nachdenklichen Weisheit. Ich verdanke ihm aber noch viel mehr, denn er hat mir auch die Schönheit seiner Heimat gezeigt, er hat mein Interesse für diese einzigartige Kulturlandschaft geweckt und mich auf meinen Erkundungsfahrten auf den Spuren von Karol Kuzmány und Ján Kollár begleitet und mich bei meinen einschlägigen Arbeiten unterstützt. An der Arbeit des Instituts für Kirchengeschichte des Donau- und Karpatenraumes hat er stets Anteil genommen.

Nach seinem Vortrag bei den Herder-Gesprächen nahm er noch dreimal in Wien das Wort: zu zwei Gastvorlesungen über die Unionsversuche im 19. Jahrhundert und über Religionsfreiheit und Staatskirchenrecht in der Slowakei, schließlich im Oratorium der Österreichischen Nationalbibliothek über die Matica Slovenská in Turčianský Svätý Martin und deren Exponenten Štefan Moyzes, den katholischen Bischof, und seinen evangelischen Amtsbruder Karol Kuzmány.

Kuzmány und Kollár wurden vor einigen Jahren ein Symposion an der Universität Wien gewidmet. Prof. Ondrejovič war damals dabei, als im Arkadenhof der Alma Mater Rudolfina zwei Gedenktafeln enthüllt wurden, die an diese beiden Söhne des slowakischen Volkes erinnern. Sie werden das tun, solange diese Universität bestehen bleibt. Und sie werden auch ein bisschen davon künden, dass es zwischen Preßburg und Wien, zwischen den lutherischen Kirchen und den Theologischen Fakultäten Brücken gibt, die Bestand haben, deren Tragfähigkeit erwiesen ist, die sich bewährt haben im Laufe vieler Jahre.

Ein Stück dieser Brücke war Dušan Ondrejovič. Er hat diese Verbindung zwischen Wien und Bratislava verkörpert und war in vielen Jahren gemeinsamer Weggenossenschaft der Gesprächspartner für viele der Wiener Kolleginnen und Kollegen, Pfarrerinnen und Pfarrer, für den Kreis der im SOMEF verbundenen theologischen Ausbildungsstätten. Dafür werden wir ihm stets dankbar sein und seine Erinnerung in Ehren halten. R.i.p.

Karl W. Schwarz

12. SOMEF Konferenz

Die 12. SOMEF Tagung, welche für den 22.-24. April 2021 in Komárno/Komárom/Komorn geplant war, ist auf den 20.-23.4. 2023 verschoben.

Comenius Konferenz

Vom 20.-22. April fand die 12. Comenius Konferenz zum Thema „Imago Dei“ an der Pápai Református Teológiai Akadémia in Pápa/Ungarn statt. Hier der Bericht einer Teilnehmerin.